Freitag, 2. August 2013

Vibratoralarm - Razzia bei Bambi Bushido


Da fährt einer in die Karibik, und du bleibst zurück und gießt seine Blumen oder Pflanzen oder Kakteen und reißt dir die Nagelhaut vom rechten Mittelfinger auf, während du die Post aus seinem Briefkasten fingerst, weil der Schlüssel von dem Kasten auch in der Karibik gelandet ist. Draußen ist es schwül, heiß, feucht, und du fährst da mit dem Fahrrad hin, und schon bevor du da bist, bist du nassgeschwitzt, und dann noch die Treppen in den 5. Stock hoch, und in der Wohnung ist es stickig. Selbst wenn du die Fenster aufmachst ändert sich nichts daran, also bist du immer noch nass und blutest aus dem Finger, als du wieder runterkommst, aufs Fahrrad steigst, und das Wetter plötzlich umschlägt, während du auf deinem Rad fährst. Auf einmal bläst dir eiskalter Wind entgegen, es regnet und so hast du dir das immer auf dem Mont Ventoux vorgestellt. Wenn du da oben ankommst, halb tot, und dann hast du die Zeitung vergessen, die du dir unters Trikot schieben musst, wenn du wieder runter fährst, weil der Fahrtwind dich sonst umbringt. Dir ist klar, du bist hier nicht auf dem Mont Ventoux und trotzdem ahnst du, das überlebst du nicht, und zwei Tage später ist es soweit. Alles ist vereitert, und deine Arme und deine Beine lassen sich kaum noch bewegen. Draußen brütet der Sommer, und du brütest in dir drin, bist elend und wirst verrückt, weil das nicht sein darf, nicht jetzt, denkst du. Sind da jetzt die Pflanzen oder die Karibik dran schuld? Oder kannst du nicht Radfahren, bist du ne Pussi oder sowieso verkeimt? Ich rufe Bambi Bushido an, damit sie mir ne Hühnersuppe oder sowas kocht, weil man das so macht bei Grippe oder Erkältung oder was das jetzt ist, das in mir wütet. Aber Bambi Bushido meint, sie nisch kochen Suppe, weil Wohnung is voll durchwühlt und sie muss erst mal Chaos aufräumen. Auf einmal bin ich froh, dass wir nicht mehr zusammenwohnen. Die Bullen waren bei ihr zu Hause und dann in der Firma, die ihre Artikel vertreibt. ‚Ne äscht rischtche Razzia’, meint Bambi Bushido, die ihren Deoroller nicht mehr finden kann und einen der Beamten verdächtigt, auch einen ihrer Vibratoren, den mit den kleinen Katzen drauf, widerrechtlich beschlagnahmt zu haben. Das waren mehr so Trophäenjäger, meint Bambi Bushido. Aus der Firma haben sie lauter Platten von ihr mitgehen lassen, wahrscheinlich für ihre Kinder, damit die zu Hause endlich mal Ruhe geben. Bambi Bushido meint, das hätte sie jetzt mit dem Cavaliere Berlusconi gemeinsam, weil der sei ja jetzt auch Märtyrer geworden. Ich komme noch mal auf die Hühnersuppe zu sprechen, aber Bambi Bushido findet es äscht Scheiße von mir, dass ich immer nur an mich denke. ‚Isch leg auf jetzt, Mann’, sagt Bambi noch. Wenn sie schmollt, dauert das. Wer kümmert sich denn jetzt um mich? In diese Karibikwohnung kann ich auch nicht zurück, weil da auf einmal Franzosen hausen, die sich einen Scheiß um Pflanzen oder sonstwas kümmern, und am Ende bin ich dann dran schuld, wenn da alles verkümmert und verkommt. Das Fieberthermometer zeigt mittlerweile 39,7 Grad Celsius an. Das ist auf keinen Fall normal. Ich wünschte, Bambi Bushido wäre bei mir. Sicher sitzt sie auf ihrem Handy und hat den Vibrationsalarm eingestellt. Das kann jetzt ewig gehen. Ich tue ihr trotzdem den Gefallen und rufe immer wieder an. Zu allem anderen fehlt mir sowieso die Kraft.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen