Freitag, 23. August 2013

Die Jagdtrophäen von Wladimir Putin – Teil 2: Die kaputte Seele von Seeed


Wladimir Wladimirowitsch Putin zog sein Hemd aus und stieg zu den Lachsen ins Wasser. Seine Entourage plantschte am Ufer, seine Boys staksten hinter Wladimir her, schleppten die Ruten und Köder. Im Schilf am anderen Ufer verbargen sich Rita und Duke. Noch vor einer halben Stunde hatten sie gestritten. Duke bestand darauf, die Fischmesser einzusetzen. Von Gewehren hatte er noch nie viel gehalten. Obwohl er es mochte, wenn Rita fliegende Lachse schoss. Es erinnerte Duke an Tontaubenschießen, ließ ihn vom schottischen Hochland träumen, seiner Heimat, in die er höchstwahrscheinlich nie zurückkehren würde. Wenigstens gehen wir zusammen unter, dachte Duke. Putins praller Oberkörper glänzte in der Spätnachmittagssonne. Die Fotografen gingen in Stellung. Genau wie Rita. Vielleicht würde einer sie abschießen, sie irgendwann auf diesem Bild entdecken, das eigentlich etwas ganz anderes zeigen sollte. Putin schrie auf. Er war in einen Mückenschwarm geraten. Rita konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Vögel schreckten hoch. Die Leibwächter drehten hektisch ihre Köpfe hin und her. Für einen Moment schien das Flusswasser rückwärts zu fließen. Waldimir Wladimirowitsch verlangte nach einem Handtuch. Ein weißes Handtuch flog auf ihn zu. Ritas Finger am Abzug, das Fischmesser zwischen Dukes Zähnen. „Nein“, zischte er. Zur gleichen Zeit flog ein weißes Handtuch von der Freilichtbühne der Berliner Wuhlheide. Duke meinte die Musik zu hören. Rita hielt inne. Die Bässe massierten ihr Herz. Das konnte nicht sein. Nicht jetzt. Bitte nicht, dachte Rita. Seeed spielte auf. Sie waren zurückgekommen, die Menge strömte ihnen begeistert zu, doch schon nach den ersten Takten war klar, Seeed hatten ihre Seele verkauft. 17 000 klatschten unentwegt den Beat mit und spürten die Kälte nicht, kapierten nicht, dass sie es waren, die dafür aufzukommen hatten. Für die Seele, die Schulden, wer wusste schon, wofür die Band sich wieder zusammengeschweißt hatte. Musik war es nicht. Peter Fox schwenkte ein weißes Handtuch nach dem anderen und warf sie dann in die Menge. Niemand wollte sie haben. So leicht waren selbst die Jünger nicht zu überlisten. Putin kreischte. Die Lachse wollten nicht springen. Sein rechter Gummistiefel steckte im Schlamm fest. Putin begann zu schwanken. Mütter tanzten mit ihren Kindern, deren Großväter in die Hände klatschten, während Seeed auf der Bühne ihre vorgefertigten Sounds abspielen ließen. In Amsterdam hatte das angeblich besser funktioniert. In Amsterdam hatte die Masse sich den falschen Bewegungen der Band bereitwilliger hingegeben. Die Wuhlheide ließ sich nicht so leicht vereinnahmen. Oder doch? Rita schloss die Augen. Duke griff nach ihrem Arm. Was ging hier vor? Putin erstarrte, seinen Blick auf Rita und Duke gerichtet. Er konnte sie nicht sehen. Das war unmöglich. In der Wuhlheide verließen Seeed! die Bühne. Es waren gerade einmal 75 Minuten vergangen. Eine Sicherheitskraft zog seine Waffe. Niemand hörte den Schuss. Doch dann ging alles ganz schnell. Es war nicht aufzuhalten. (Fortsetzung folgt)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen