Samstag, 3. August 2013

Am Ende der Nacht gibt es kein Morgen mehr


Komm, kill kill Baby, kill. Völlig egal, an welcher Tankstelle du in die Luft fliegst. Wir treffen uns dort nach dieser Nacht auf der Straße. Die Dörfer schlafen noch; irgendwo draußen haben wir gefeiert, kann sein, dass wir über die Grenze sind, aber jetzt sind wir hier, an dieser Tankstelle, die aussieht wie jede Tankstelle, egal auf welcher Seite der Grenze du bist. Die Sonne fliegt, die Hitze kommt. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Der Pole lächelt das hässlichste Lächeln der Welt. Eine Narbe sprengt sein Gesicht in drei Teile. Bambi Bushido macht sich ins Höschen, naja, beinahe. Sie rennt ins Gebüsch, weil sie die Schlüssel für die Toilette nicht rausrücken. Weil sie versuchen, zu telefonieren, ohne dass wir’s merken. Weil sie sich in die Hose scheißen. Und Bambi Bushido pullert ins Gebüsch; der Pole lächelt; du spielst mit deinem Feuerzeug, und ich überlege, ob ich beten soll, wenn ich schon mal hier bin. Bambi Bushido hatte dieselbe Idee. Sie hockt auf ihren Knie und sucht die Sonne, ruft irgendwas, keine Ahnung, ob es ein Gebet ist. Die von der Tankstelle blockieren die Tür, und der Pole rastet aus, weil er nichts mehr zu trinken bekommt. Wir sollten aufbrechen. Du zuckst nur mit den Schultern. Ja, wohin, darüber könnte man streiten. Warum erinnere ich mich an den Namen von diesem Polen nicht? Möglicherweise ist es kein Pole. Bambi Bushido rappelt sich langsam wieder hoch, die Absätze machen ihr zu schaffen. Nicht zum ersten Mal pirscht sich der Pole an sie ran. Bambi Bushido holt mit ihrer Handtasche aus, verfehlt ihn aber, knickt stattdessen um, einer der Absätze bricht ab, doch der Pole fängt sie auf und lächelt. Von mir aus soll Bambi Bushido hier bleiben, mit dem Polen abziehen, Hauptsache, du beruhigst dich endlich und steckst dein Feuer ein. Es ist erstaunlich, dass wir die Einzigen hier sind. Ich meine, wir sind hier wirklich allein, so still ist es. Kein Auto fährt, kein Fernfahrer fällt aus seiner Koje, nicht mal die Wölfe heulen. Würde Bambi Bushido nicht abwechselnd rülpsen oder schluchzen, könnte man meinen, wir sind im Inneren der Explosion, da, wo sie nicht an einen heranreicht. Der Pole stöhnt. Bambi jammert nicht, sie lutscht ihm den Schwanz. Du lachst. Das Feuerzeug ist aus deiner Hand verschwunden. Du kannst mir nicht mehr in die Augen sehen. Du zielst zwischen meine Augen. Aus der Entfernung würde selbst ich treffen. Du blinzelst, aber deine Hand ist ganz ruhig. Ich an deiner Stelle würde zittern. Aber ich bin nicht an deiner Stelle. Ich gehe rückwärts, langsam. Schritt für Schritt vergrößere ich die Distanz zwischen uns, verkleinere das Ziel. Deine Hand bleibt ruhig, aber du verschwimmst vor meinen Augen. Ich drehe mich um, irgendeine Richtung, bin an der Straße, gehe weiter, keine Ahnung, welche Richtung. Ist mir egal, wenn du jetzt abdrückst. Ich komme nicht zurück. Jemand ruft meinen Namen. Bambi Bushido. Sie hat ihren Job erledigt, schreit rum, weil sie nicht kapiert, wo ich hinwill. Ich will nirgends hin. Ich höre den Schuss. Bambi Bushido hat aufgehört zu schreien. Ich komme trotzdem nicht zurück zu dir. Nie mehr. Egal, wo ich landen werde, ich drehe nicht um. Diesmal nicht.

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