Samstag, 24. August 2013

Die Jagdtropghäen von Wladimir Putin – Teil 3: Piercings


Den Bär hatte niemand kommen sehen, auch Rita nicht. Als der Schuss fiel, hatten Duke und Rita ihre Masken bereits aufgesetzt. Woher Rita das Blasrohr hatte, wusste Duke nicht. Sie hatte es nie erwähnt. Die Fotografen kippten als erste um, dann folgten zwei von Putins Leibwächtern und schließlich Putin selbst. Eben hatte er sich noch beim Herumfuchteln mit seiner Angel einen Haken in die Nase gestochen, jetzt plumpste er mit verdrehten Augen kopfüber ins Wasser. Prompt sprangen die Lachse. Duke und Rita blieb nicht viel Zeit. Wladimir Waldimirowitsch Putin durfte auf keinen Fall ertrinken, und sie mussten ihn hier weggeschafft haben, bevor Putins Entourage wieder erwachte. Rita benutzte kein tödliches Gift für ihre Pfeile, so viel hatte Duke auch ohne zu fragen verstanden. Was er nicht verstand, war, woher der Bär gekommen war, der sich zwischen Putin, ihn und Rita drängte. Rita sprang furchtlos auf den Bären zu. Duke betrachtete sein Fischmesser. Er riss sich die Maske vom Kopf und brüllte alle Wut, allen Zorn und allen Schmerz aus sich heraus. Der Bär erstarrte. Rita lächelte. Duke folgte ihr. (Fortsetzung folgt)

Freitag, 23. August 2013

Die Jagdtrophäen von Wladimir Putin – Teil 2: Die kaputte Seele von Seeed


Wladimir Wladimirowitsch Putin zog sein Hemd aus und stieg zu den Lachsen ins Wasser. Seine Entourage plantschte am Ufer, seine Boys staksten hinter Wladimir her, schleppten die Ruten und Köder. Im Schilf am anderen Ufer verbargen sich Rita und Duke. Noch vor einer halben Stunde hatten sie gestritten. Duke bestand darauf, die Fischmesser einzusetzen. Von Gewehren hatte er noch nie viel gehalten. Obwohl er es mochte, wenn Rita fliegende Lachse schoss. Es erinnerte Duke an Tontaubenschießen, ließ ihn vom schottischen Hochland träumen, seiner Heimat, in die er höchstwahrscheinlich nie zurückkehren würde. Wenigstens gehen wir zusammen unter, dachte Duke. Putins praller Oberkörper glänzte in der Spätnachmittagssonne. Die Fotografen gingen in Stellung. Genau wie Rita. Vielleicht würde einer sie abschießen, sie irgendwann auf diesem Bild entdecken, das eigentlich etwas ganz anderes zeigen sollte. Putin schrie auf. Er war in einen Mückenschwarm geraten. Rita konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Vögel schreckten hoch. Die Leibwächter drehten hektisch ihre Köpfe hin und her. Für einen Moment schien das Flusswasser rückwärts zu fließen. Waldimir Wladimirowitsch verlangte nach einem Handtuch. Ein weißes Handtuch flog auf ihn zu. Ritas Finger am Abzug, das Fischmesser zwischen Dukes Zähnen. „Nein“, zischte er. Zur gleichen Zeit flog ein weißes Handtuch von der Freilichtbühne der Berliner Wuhlheide. Duke meinte die Musik zu hören. Rita hielt inne. Die Bässe massierten ihr Herz. Das konnte nicht sein. Nicht jetzt. Bitte nicht, dachte Rita. Seeed spielte auf. Sie waren zurückgekommen, die Menge strömte ihnen begeistert zu, doch schon nach den ersten Takten war klar, Seeed hatten ihre Seele verkauft. 17 000 klatschten unentwegt den Beat mit und spürten die Kälte nicht, kapierten nicht, dass sie es waren, die dafür aufzukommen hatten. Für die Seele, die Schulden, wer wusste schon, wofür die Band sich wieder zusammengeschweißt hatte. Musik war es nicht. Peter Fox schwenkte ein weißes Handtuch nach dem anderen und warf sie dann in die Menge. Niemand wollte sie haben. So leicht waren selbst die Jünger nicht zu überlisten. Putin kreischte. Die Lachse wollten nicht springen. Sein rechter Gummistiefel steckte im Schlamm fest. Putin begann zu schwanken. Mütter tanzten mit ihren Kindern, deren Großväter in die Hände klatschten, während Seeed auf der Bühne ihre vorgefertigten Sounds abspielen ließen. In Amsterdam hatte das angeblich besser funktioniert. In Amsterdam hatte die Masse sich den falschen Bewegungen der Band bereitwilliger hingegeben. Die Wuhlheide ließ sich nicht so leicht vereinnahmen. Oder doch? Rita schloss die Augen. Duke griff nach ihrem Arm. Was ging hier vor? Putin erstarrte, seinen Blick auf Rita und Duke gerichtet. Er konnte sie nicht sehen. Das war unmöglich. In der Wuhlheide verließen Seeed! die Bühne. Es waren gerade einmal 75 Minuten vergangen. Eine Sicherheitskraft zog seine Waffe. Niemand hörte den Schuss. Doch dann ging alles ganz schnell. Es war nicht aufzuhalten. (Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 21. August 2013

Die Jagdtrophäen von Wladimir Wladimirowitsch Putin – Teil 1: Der Umschnalldildo (Владимир Владимирович Путин - хрен)


Duke saß am Fenster und rauchte. Das hatte er schon ewig nicht mehr gemacht. Morgen würde er 50 Jahre alt werden. So alt war er noch nie geworden. Die Alterswarzen sprachen eine andere Sprache. Sein Hautarzt hatte sich zunächst geweigert, sie zu vereisen. Dann blätterte Duke die Scheine hin. 50 würde er trotzdem werden. Der Hautarzt hörte nicht mehr auf zu lächeln. Ich hätte Mediziner werden sollen, dachte Duke. So wie sein Großvater. Der hatte an seinem Pimmel rumgezogen und ihm dann die Vorhaut abgeschnitten. Das war lange her. Duke reiste nicht gern zurück, doch manchmal ließ es sich nicht vermeiden. Zum Glück kam Rita pünktlich. „Was ist los, Duke?“ „Nichts.“ Er war froh, dass es endlich losging. Seit Monaten arbeiteten sie daran. Jetzt war es soweit. Angelruten und Jagdgewehre waren im Kofferraum von Ritas Van, außerdem das Zelt und die Schlafsäcke. Ein paar Flaschen Rum waren auch dabei. Putin würde sich nie weiter als 50 Meter von seinen Leibwächtern entfernen, das war ihnen klar. Putin konnte sich nicht einmal allein in einem Raum aufhalten, geschweige denn allein auf die Toilette gehen. Rita konnte ein Lied davon singen. Ein einziges Mal hatte sie Putin ohne Begleitschutz gevögelt, sich den Schwanz umgebunden, den er ihr mitgebracht hatte und ihn Putin solange in den Arsch gerammt, bis ihm sein Prostataorgasmus beinahe um den Verstand gebracht hätte. Die Schreie waren in ganz Moskau nicht zu überhören gewesen. Sofort waren die Leibschützer ins Zimmer gestürmt und hatten Rita aus Putin herausgezerrt, der nicht mehr in der Lage war, Rita vor ihnen zu schützen. Sie würde es nie vergessen. Nicht solange sie nicht ihre Angst in Putins Fresse eingraviert hatte. Deswegen waren sie hier. Deswegen hatte Duke alles aufgegeben. Nicht unbedingt für oder wegen Rita. Er hatte seine eigenen Rechnungen mit Waldimir Wladimirowitsch zu begleichen. (Fortsetzung folgt)

Dienstag, 6. August 2013

Aus den geheimen Tagebüchern Angela Merkels – Django Sauer (Wahlkampf 2013)

Angela           Du siehst diese Leute fünf Tage die Woche, manchmal sechs. Du erzählst von ihnen, wenn du nach Hause kommst, du denkst an sie, wenn du dir morgens von mir dein Frühstück servieren lässt, warum also sollte ich jetzt auf eine Party wollen, wo all diese Leute sind? Und dann auch noch eine Mottoparty. Ich bitte dich. Was, sagtest du gleich, ist das Motto?
Joachim         Ich sagte gar nichts. Du kennst die Einladung, also was soll das?
Angela           Sag es, los.
Joachim         Django.
Angela           Wie schreibt man das?
Joachim         D. J. A. N. G. O. Das D ist stumm.
Angela           Ja. Das D ist stumm. Wie stellen sie sich das vor? Wo wollen sie die Neger her kriegen?
Joachim         Bitte, Angela.
Angela           Was? Neger. N. E. G.E. R. Sie feiern ihre Sklavenparty wohl kaum ohne Neger. Entschuldige. Ohne Sklaven. Also was ist? Möchtest du, dass ich als deine Sklavin auf der Party erscheine? Soll ich mich schwarz anmalen? Wusstest du, dass es verboten ist, sich als Weißer schwarz anzumalen, wenn es um Negerrollen geht? Entschuldige. Um Sklavenrollen. Nein, tut mir leid. Um Schwarze. Ein Weißer, der sich schwarz anmalt, darf keinen schwarzen Präsidenten verkörpern, wusstest du das? Also, was schlägst du vor, Joachim? Als was willst du bei deinen Kollegen bei ihrer Mottoparty aufwarten?
Joachim         Was weiß ich. Warum denken wir nicht darüber nach, wenn es so weit ist?
Angela           Ich denke darüber überhaupt nicht nach, Liebling. Ich werde nicht hingehen. Du wirst dir morgen Abend eine Ausrede einfallen lassen müssen.
Joachim         Morgen Abend?
Angela           Ich dachte, du kennst die Einladung.
Joachim         Und wo soll ich bis morgen Abend ein Kostüm herbekommen?
Angela           Woher soll ich das wissen?
Joachim         Du besorgst uns was Passendes.
Angela           Ich sagte doch, ich komme nicht mit.
Joachim         Angela, hör auf.
Angela           Was?
Joachim Sauer tritt ab. Angela ruft ihre Freundin Ursula an.
Angela           Wenn ich es doch sage. Django Unchained. Joachim hat den Film damals nicht mal gesehen, glaube ich. Er sagt, wenn ich nicht mitkomme, wird das Konsequenzen für ihn haben. Als hinge sein Job von meinem Erscheinen auf einem Sklavenmarkt ab.
(Fortsetzung folgt)

Montag, 5. August 2013

Wu Tang Prism – Teil 2: Gysis Akte


Wir wussten, dass Gysi es über Interpol probieren würde. Seit gestern verbreiten sie die Terrorwarnung, die er aufgesetzt hat. Früher war Gysi intelligent. Jetzt agiert er so dumpf wie alle anderen. In dem Moment, wo ihre Spähprogramme auffliegen, rechtfertigen sie sich mit tödlicher Gefahr. Wenn nichts mehr hilft, hilft Terror. Die Angst. Lieber sicher überwacht, als hinterrücks kaputtgebombt, denken sie. Sie kapieren nicht, dass wir aufgehört haben, wie sie zu denken. Gysi vertraut trotzdem auf Interpol. Ihm bleibt keine Wahl. Wu Tang ortet das Fahrzeug, in dem sie Gysi die Windeln wechseln. Viktor meint, wenn ein Verräter verraten wird, verreckt zuerst sein Instinkt. Noch zehn Minuten bis zum Kontakt. Die Jungs sind angespannt. Sechs der Häftlinge aus dem al-Qaida-Netzwerk, denen NSA und Interpol die Flucht ermöglicht haben, warten am vereinbarten Treffpunkt in einem Hummer, der auf Gysis Namen zugelassen ist. Wu Tang leiht mir seinen Feldstecher. Keine Ahnung, ob er mein Zittern bemerkt. Es ist nicht wegen Gysi, der Akte, oder den al-Qaida-Häftlingen. Es ist wegen Viktor und Wu Tang. Wegen der Entscheidung, die ich treffen muss, sobald das hier vorbei ist.
Die Jungs geben das Zeichen. Es geht los. Gysis Limousine erreicht den Parkplatz hinter einer Tankstelle nahe der polnischen Grenze. Einer der Leibwächter gehörte schon früher zu Gysis Gefolgsleuten. Ganz alter Kader, bestimmt nicht mehr der Schnellste. Gysi ist jetzt schon leichenblass. Der Typ neben ihm ist irgendein Laufbursche von Interpol. Er deutet auf den Hummer, denkt, ich sitze da drin. Die Jungs nehmen die Tasche von Gysi in Empfang und treten den Rückzug an. Der Hummer rollt auf Gysi und sein Gefolge zu. Viktor gabelt die Jungs auf, als dem Bubi von Interpol endlich auffällt, dass sie verschwunden sind. Gysi läuft rot an. Drei Vermummte springen aus dem Hummer und eröffnen das Feuer. Dem Kader versagen, wie erwartet, die Reflexe. Wu Tang drückt den Zünder. Irgendwo in Polen fliegt eine Tankstelle in die Luft. Ich knipse Erinnerungsfotos. Viktor meldet sich. „Fette Beute.“, sagt er. Ich will, dass er den Jungs sagt, wie zufrieden ich bin. Dass sie den Rest des Tages frei haben. „Was ist mit mir?“, fragt Viktor. „Heute abend, zwanzig Uhr in der Villa.“ „Und Wu Tang?“ „Er wird auch da sein.“ Ich beende das Gespräch. Viktor hat die Beute, außerdem Gysis Akte, er könnte gehen. Ich würde ihn nicht daran hindern. Keine Ahnung, ob er das weiß. Ob er es darauf ankommen lässt.
Punkt Acht taucht Viktor in der Villa auf, mit Gysis Tasche und der Akte. „Hast du gedacht, ich setze mich ab?“ Er grinst. Wu Tang reagiert nicht. Wir haben ein Fabrikgebäude getunt. In der zweiten Etage des Seitenflügels sind die Arbeitsräume. Mein Loft befindet sich im obersten Stock des Hinterhauses. Alles andere, auch im Vorderhaus, ist Wohnraum, der beleuchtet und belebt wird, ohne dass einer darin wohnt. Sieht man von den Jungs ab, und von Viktor. Keiner von uns weiß, wo Wu Tang wohnt. ‚Villa’ nennen wir mein Loft; der ganze Komplex ist die Festung. Von außen betrachtet erweckt nichts irgendeinen Verdacht. Alles, was sich im Inneren abspielt, bleibt verborgen, doch uns entgeht nichts von dem, was draußen vor sich geht.
Wu Tang und Viktor sitzen sich gegenüber. Nichts trennt sie. Ich schließe die Augen. Noch hoffe ich, keinen der beiden aufgeben zu müssen. Täusche ich mich in einem von ihnen, oder in beiden, bin ich so gut wie tot. Plötzlich wünschte ich, die Jungs wären hier. Es würde nichts ändern. Ich öffne Gysis Tasche. Es sind mehr als 5 Millionen drin. So viel ist ihm seine Vergangenheit also wert. Wu Tang reicht Viktor die Hand. Ich habe mich ablenken lassen. Was habe ich versäumt? (Fortsetzung folgt)

Sonntag, 4. August 2013

Wu Tang Prism – Teil 1: Seehofers Fall


Der Typ sitzt vor mir, zwischen uns mein Tisch. Er merkt nicht, dass die Kameras ihn scannen. Die Jungs in seinem Rücken halten still. Ich seh’s auf dem Bildschirm. Er reibt den Siegelring, den er am kleinen Finger trägt. Aus der Brusttasche seines Jacketts holt er einen stinknormalen Kugelschreiber. Der Typ schwitzt. Etwas stimmt nicht mit dem Ring oder dem Kugelschreiber. Ich sage, ich werde über sein Angebot nachdenken. Er ist nur der Bote. Er legt den Kugelschreiber auf den Tisch und sagt: „Das ist die Nummer.“ Ich sage, er soll draußen warten. Die Jungs begleiten ihn. Der Kuli bleibt auf dem Tisch liegen. Er ist sauber, meint Viktor. Ich zeige ihm die Bilder. Viktor zuckt nur mit den Schultern. Ich will, dass er diese verschissene Nummer anruft und den Wagen da klarmacht. Eine halbe Stunde später steht ein 500er SL im Hof. Es dauert keine drei Minuten, bis die Jungs das Paket entdeckt haben. Sie wissen nicht, wie die Scheiße zündet. „Du hattest recht.“, meint Viktor. Keine Ahnung, ob das eine Entschuldigung sein soll. Die Jungs wollen wissen, was sie jetzt machen sollen. Wir müssen das Paket entsorgen. Danach kümmern wir uns um den Absender. Er wird enttäuscht sein, nehme ich an.
Es sind nicht viele, die aus der Kirche kommen. Seehofer ist einer der letzten. Seine Frau ist dabei. Keine Ahnung, was für einen Deal sie am Laufen haben. Wenn er sie zum Kirchgang begleitet, darf er – was glaubst du, was du ihm erlaubst, du Blindschleiche? Wu Tang sitzt neben mir. Er war dagegen, dass ich mitkomme. Seehofer übergibt seine Alte an die Security. Niemand bemerkt Wu Tang. Ich seh’s an Seehofers Augen. Die Überraschung. Das Selbstmitleid. Er weiß sofort bescheid. Er kann nichts dagegen tun. Niemand hilft ihm. Unsere Blicke treffen sich. In dem Moment sackt er zusammen. Es ist der Pfarrer, der ihn auffängt. Ein schönes Bild. Lautlos entfernt Wu Tang uns daraus. Keine Ahnung, wann wir uns zuerst begegnet sind. Das beunruhigt mich immer wieder. Dass er Zugriff auf meine Erinnerungen hat. Dass er selbst bei mir darauf bedacht ist, seine Spuren zu verwischen.
Viktor ruft Gysi an und wiegt ihn in Sicherheit. Gysi ist zu lange im Geschäft, um sich auf Viktor zu verlassen, aber er hat keine Wahl. Gysi brüllt rum. Er besteht darauf, mich endlich persönlich zu treffen. Die Jungs hören zu und sind kurz davor, die Leitung auseinanderzunehmen. Viktor hält Gysi hin. Wu Tang bringt mir seine Akte aus dem Safe. Ich schlage sie blind auf. Viktor wirft eine kurzen Blick darauf, grinst, und liefert Gysi ein Stichwort. Wu Tang schließt die Akte wieder weg. Gysi hat aufgehört zu brüllen. Kurz bevor man fürchten könnte, er hätte auch aufgehört zu atmen, teilt Viktor ihm mit, dass ich nun bereit sei, ihn zu treffen. Gysi schluckt den Köder. Wenn du Angst hast, machst du Fehler, egal, wie lange du schon im Geschäft bist. Viktor sagt: „Morgen.“ Er gibt den Jungs ein Zeichen, und sie machen sich los, um alles vorzubereiten. Viktor wartet darauf, dass ich noch irgendwas sage. Ich sage, dass er gehen kann. Dass Wu Tang mich nach Hause bringt. Nur ich kann aus Viktor die Zweifel herauslesen. Er traut Wu Tang nicht. Nie würde er zugeben, dass in Wirklichkeit ich es bin, an dem er zweifelt. Sobald die Sache mit Gysi gelaufen ist, werden wir das klären müssen. (Fortsetzung folgt)

Samstag, 3. August 2013

Am Ende der Nacht gibt es kein Morgen mehr


Komm, kill kill Baby, kill. Völlig egal, an welcher Tankstelle du in die Luft fliegst. Wir treffen uns dort nach dieser Nacht auf der Straße. Die Dörfer schlafen noch; irgendwo draußen haben wir gefeiert, kann sein, dass wir über die Grenze sind, aber jetzt sind wir hier, an dieser Tankstelle, die aussieht wie jede Tankstelle, egal auf welcher Seite der Grenze du bist. Die Sonne fliegt, die Hitze kommt. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Der Pole lächelt das hässlichste Lächeln der Welt. Eine Narbe sprengt sein Gesicht in drei Teile. Bambi Bushido macht sich ins Höschen, naja, beinahe. Sie rennt ins Gebüsch, weil sie die Schlüssel für die Toilette nicht rausrücken. Weil sie versuchen, zu telefonieren, ohne dass wir’s merken. Weil sie sich in die Hose scheißen. Und Bambi Bushido pullert ins Gebüsch; der Pole lächelt; du spielst mit deinem Feuerzeug, und ich überlege, ob ich beten soll, wenn ich schon mal hier bin. Bambi Bushido hatte dieselbe Idee. Sie hockt auf ihren Knie und sucht die Sonne, ruft irgendwas, keine Ahnung, ob es ein Gebet ist. Die von der Tankstelle blockieren die Tür, und der Pole rastet aus, weil er nichts mehr zu trinken bekommt. Wir sollten aufbrechen. Du zuckst nur mit den Schultern. Ja, wohin, darüber könnte man streiten. Warum erinnere ich mich an den Namen von diesem Polen nicht? Möglicherweise ist es kein Pole. Bambi Bushido rappelt sich langsam wieder hoch, die Absätze machen ihr zu schaffen. Nicht zum ersten Mal pirscht sich der Pole an sie ran. Bambi Bushido holt mit ihrer Handtasche aus, verfehlt ihn aber, knickt stattdessen um, einer der Absätze bricht ab, doch der Pole fängt sie auf und lächelt. Von mir aus soll Bambi Bushido hier bleiben, mit dem Polen abziehen, Hauptsache, du beruhigst dich endlich und steckst dein Feuer ein. Es ist erstaunlich, dass wir die Einzigen hier sind. Ich meine, wir sind hier wirklich allein, so still ist es. Kein Auto fährt, kein Fernfahrer fällt aus seiner Koje, nicht mal die Wölfe heulen. Würde Bambi Bushido nicht abwechselnd rülpsen oder schluchzen, könnte man meinen, wir sind im Inneren der Explosion, da, wo sie nicht an einen heranreicht. Der Pole stöhnt. Bambi jammert nicht, sie lutscht ihm den Schwanz. Du lachst. Das Feuerzeug ist aus deiner Hand verschwunden. Du kannst mir nicht mehr in die Augen sehen. Du zielst zwischen meine Augen. Aus der Entfernung würde selbst ich treffen. Du blinzelst, aber deine Hand ist ganz ruhig. Ich an deiner Stelle würde zittern. Aber ich bin nicht an deiner Stelle. Ich gehe rückwärts, langsam. Schritt für Schritt vergrößere ich die Distanz zwischen uns, verkleinere das Ziel. Deine Hand bleibt ruhig, aber du verschwimmst vor meinen Augen. Ich drehe mich um, irgendeine Richtung, bin an der Straße, gehe weiter, keine Ahnung, welche Richtung. Ist mir egal, wenn du jetzt abdrückst. Ich komme nicht zurück. Jemand ruft meinen Namen. Bambi Bushido. Sie hat ihren Job erledigt, schreit rum, weil sie nicht kapiert, wo ich hinwill. Ich will nirgends hin. Ich höre den Schuss. Bambi Bushido hat aufgehört zu schreien. Ich komme trotzdem nicht zurück zu dir. Nie mehr. Egal, wo ich landen werde, ich drehe nicht um. Diesmal nicht.

Freitag, 2. August 2013

Vibratoralarm - Razzia bei Bambi Bushido


Da fährt einer in die Karibik, und du bleibst zurück und gießt seine Blumen oder Pflanzen oder Kakteen und reißt dir die Nagelhaut vom rechten Mittelfinger auf, während du die Post aus seinem Briefkasten fingerst, weil der Schlüssel von dem Kasten auch in der Karibik gelandet ist. Draußen ist es schwül, heiß, feucht, und du fährst da mit dem Fahrrad hin, und schon bevor du da bist, bist du nassgeschwitzt, und dann noch die Treppen in den 5. Stock hoch, und in der Wohnung ist es stickig. Selbst wenn du die Fenster aufmachst ändert sich nichts daran, also bist du immer noch nass und blutest aus dem Finger, als du wieder runterkommst, aufs Fahrrad steigst, und das Wetter plötzlich umschlägt, während du auf deinem Rad fährst. Auf einmal bläst dir eiskalter Wind entgegen, es regnet und so hast du dir das immer auf dem Mont Ventoux vorgestellt. Wenn du da oben ankommst, halb tot, und dann hast du die Zeitung vergessen, die du dir unters Trikot schieben musst, wenn du wieder runter fährst, weil der Fahrtwind dich sonst umbringt. Dir ist klar, du bist hier nicht auf dem Mont Ventoux und trotzdem ahnst du, das überlebst du nicht, und zwei Tage später ist es soweit. Alles ist vereitert, und deine Arme und deine Beine lassen sich kaum noch bewegen. Draußen brütet der Sommer, und du brütest in dir drin, bist elend und wirst verrückt, weil das nicht sein darf, nicht jetzt, denkst du. Sind da jetzt die Pflanzen oder die Karibik dran schuld? Oder kannst du nicht Radfahren, bist du ne Pussi oder sowieso verkeimt? Ich rufe Bambi Bushido an, damit sie mir ne Hühnersuppe oder sowas kocht, weil man das so macht bei Grippe oder Erkältung oder was das jetzt ist, das in mir wütet. Aber Bambi Bushido meint, sie nisch kochen Suppe, weil Wohnung is voll durchwühlt und sie muss erst mal Chaos aufräumen. Auf einmal bin ich froh, dass wir nicht mehr zusammenwohnen. Die Bullen waren bei ihr zu Hause und dann in der Firma, die ihre Artikel vertreibt. ‚Ne äscht rischtche Razzia’, meint Bambi Bushido, die ihren Deoroller nicht mehr finden kann und einen der Beamten verdächtigt, auch einen ihrer Vibratoren, den mit den kleinen Katzen drauf, widerrechtlich beschlagnahmt zu haben. Das waren mehr so Trophäenjäger, meint Bambi Bushido. Aus der Firma haben sie lauter Platten von ihr mitgehen lassen, wahrscheinlich für ihre Kinder, damit die zu Hause endlich mal Ruhe geben. Bambi Bushido meint, das hätte sie jetzt mit dem Cavaliere Berlusconi gemeinsam, weil der sei ja jetzt auch Märtyrer geworden. Ich komme noch mal auf die Hühnersuppe zu sprechen, aber Bambi Bushido findet es äscht Scheiße von mir, dass ich immer nur an mich denke. ‚Isch leg auf jetzt, Mann’, sagt Bambi noch. Wenn sie schmollt, dauert das. Wer kümmert sich denn jetzt um mich? In diese Karibikwohnung kann ich auch nicht zurück, weil da auf einmal Franzosen hausen, die sich einen Scheiß um Pflanzen oder sonstwas kümmern, und am Ende bin ich dann dran schuld, wenn da alles verkümmert und verkommt. Das Fieberthermometer zeigt mittlerweile 39,7 Grad Celsius an. Das ist auf keinen Fall normal. Ich wünschte, Bambi Bushido wäre bei mir. Sicher sitzt sie auf ihrem Handy und hat den Vibrationsalarm eingestellt. Das kann jetzt ewig gehen. Ich tue ihr trotzdem den Gefallen und rufe immer wieder an. Zu allem anderen fehlt mir sowieso die Kraft.