Sonntag, 7. Oktober 2012

Spirituelle Beschneidung ODER Warum Death Metal auch am Tag des Herrn erlaubt ist


Du schläfst neun Stunden. Du schläfst sonst nie neun Stunden. Du willst nicht aufstehen. Du stehst trotzdem auf. Du stellst die Anlage an, setzt die Kopfhörer auf und drückst auf Play. Gojira. Dazu trinkst du Kaffee. Und überlegst, ob du nicht lieber gleich das Saufen anfängst. Ein Kamikazesperling attackiert deine Fensterscheibe. Davon wird er sich bestimmt nicht erholen. Den Sänger von Gojira würde meine Mutter niemals als Sänger akzeptieren. Tamer hört gern Death Metal. Ich frage mich, was Death Metal mit Hass zu tun haben soll. Tamer betrachtet Hass als Motor. Das mach mal jemandem klar. Dass Hass was Positives sein kann. Ist doch besser, du nutzt den Hass für deine Kunst, als ihn auf der Straße an Sperlingen und Ungarn auszuleben. Aber Claudia meint, Hass geht gar nicht. Deswegen hört Claudia auch keinen Death Metal, was für mich überhaupt nicht logisch ist. Claudia sagt, Hass ist ein abnormes Gefühl und deshalb therapiebedürftig. Da, wo ich lebe, hasst jeder Zweite, aber keiner hat den Mut, sich dazu zu bekennen. Also wird therapiert. Oder wegmassiert. Spirituelle Arbeit mit Kindern. Da lande ich immer wieder. Bei der spirituellen Arbeit mit Kindern. Die siehst du alle mit Teppichmessern durch die Gegend laufen. Aber sobald sie ihrer Therapie entwachsen sind, bevorzugen sie Jagdmesser. Mit denen kann man dem eben erlegten Wild auch noch die Haut abziehen. Ich schweife ab. Das heutige Thema lautet: - . Ich habe nicht die geringste Ahnung. Du wachst morgens auf, und es ist Sonntag. Darauf bist du nicht vorbereitet. Du hast nicht damit gerechnet, dass die Armee der Geister in dir schon seit Stunden auf dem Kriegspfad wandert. Du rufst den Weckdienst Telekom an, der dreht für dich die Zeit zurück. Um das bezahlen zu können, versetzt du die Brillianten deiner Mutter. Hallo, Mutter. In meiner zurückgedrehten Zeit bin ich ein Kind auf der Suche nach einer spirituellen Erfahrung. Die Erfahrung beginnt mit meinem Großvater, als der meinen Pimmel zwischen seine Finger genommen und die Haut da vorne hoch und runter gezogen hat. Meine Mutter hatte nichts dagegen. Sie hat mich sogar in ein Krankenhaus gebracht. Da kam ich in ein Bett mit Gittern an der Seite, damit ich nicht raus konnte aus dem Bett. Sie haben mir eine blaue Duschhaube auf den Kopf gesetzt, da waren weder meine Mutter, noch mein Großvater anwesend. Ich dann auch nicht mehr, also bewusstseinsmäßig nicht, weil ich und mein Bewusstsein weggespritzt wurden. Als ich wieder aufgewacht bin, hat mein Pimmel mehr gebrannt als je zuvor. Aber die Vorhaut, an der mein Großvater immer rumgezogen hat, die war nicht mehr da. Meine Großmutter hat mich dann im Krankenhaus besucht und mir eine Kinderbibel mitgebracht. Da waren Bilder von Menschen drin, die andere Menschen mit Speeren durchbohrten. Meine Großmutter meinte, ich hätte ja noch Glück gehabt. Das geht mir heute noch so, dass mein Pimmel zu brennen anfängt, sobald ich irgendwo eine Bibel sehe. Seitdem denke ich auch, dass mein Pimmel bestimmt weiter gewachsen wäre, wenn sie nicht an ihm rumgeschnippelt hätten. Der Rest von mir ist ja auch immer größer geworden. Death Metal. Gott ruft uns mit seinen Bimmeln zum Dienst. Bei der Telekom ist ständig besetzt, und meine Mutter behauptet, sie hätte ihre Brillianten längst selbst versetzt. Es ist immer noch Sonntag. Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als rauszugehen und ein bisschen mit den Jungs und ihren Messern rumzuzspielen.

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