Freitag, 3. Februar 2012

Ich war der Hehler von Christian Wulff


Sie haben mich in den Jugendknast in Charlottenburg gesteckt, weil nichts anderes frei war. Ich bin da aufgewacht, kann mich an die Verurteilung nicht erinnern. Totales Blackout. Hehlerei, klar, aber wie bin ich da reingerutscht? Die Kids im Knast nehmen mich nicht wahr. Alles sehr großzügig hier, mehr wie eine Jugendherberge. Wir sind zu acht in den Zimmern, können uns tagsüber frei bewegen. Das Essen zerstört meinen Magen-Darmtrakt. Die scheißen hier auf Laktose-Intoleranz. Ich will nicht verhungern. Die Kids spielen den ganzen Tag Karten oder starren in die Glotze. Es fehlt überall Licht. Am Anfang dachte ich: wie Urlaub. Seit ein paar Stunden spüre ich die Angst hochkriechen. Meine Beine sind schon fast taub. Ich habe versucht ins Zimmer zu kommen, aber den Weg nicht gefunden. Das kann ich nicht sagen. Aber es wird schlimmer. Der Kopf will schon gegen die Wand. Das Herz wird eingekreist von der Panik. Ich kenne das. Wenn du denkst, das Herz hört auf. Ich finde dieses Scheißzimmer nicht. Ich muss was sagen. Aber kein Scheißwärter taucht auf. Die Kids blicken durch mich hindurch. Sag es den Kids, und du bist tot. Sag es dem Wärter, und er fickt dich. Ich probiere, es in den Griff zu bekommen. Nicht dran denken. Nur nicht dran denken. Aber sobald du denkst, du sollst nicht dran denken, denkst du dran. Ich finde mich in einem Bett wieder. Ist nicht meins. Ist also nur eine Frage der Zeit, bis sie merken, dass ich mich nicht mehr rühren kann. Dass die Panik da ist. Herzneurose. Irgendwann hört es dann wirklich auf. Ich mache die Augen zu. Warten. Ich finde mich auf einem der Gänge wieder, ein Wärter. Frage, ob es einen Arzt gibt. Wofür, will er wissen. Wenn ich es sage, komme ich hier nie mehr raus. Was, wenn ich ihn verrate? Entscheide dich. Jetzt.

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