Mittwoch, 25. Januar 2012

Kill Your Darlings! (Der Russe kommt von hinten III)

In Kaliningrad haben sie ein ähnliches Schlossproblem wie in Berlin. Da, wo es mal stand, steht es nicht mehr, aber unbedingt soll es wieder da stehen, wo es mal stand. Aus Berlin ist keine Hilfe zu erwarten, weil die Berliner schon den Kaliningrader Dom mit aufbauen. Und solange das Haus der Räte in Kaliningrad nicht abgerissen wird, so wie es Berlin mit dem Palast der Republik so hübsch vorgemacht hat, ist von Berlin aus überhaupt nichts zu erwarten, was natürlich eine wundervolle Ausrede ist, weil die Bauruine Haus der Räte ein Denkmal ist, das nur Idioten abreißen würden. Russen sind keine Idioten, selbst wenn sie in Kaliningrad leben, was kein Russe je zu Russland zugehörig erklären würde. Ich lebe trotzdem in Kaliningrad. Demnächst zumindest, soviel steht fest. Pavel will noch 3-4 Jahre professionell Fußball spielen. Er glaubt, danach kommen wir dann richtig zusammen, egal wo. Ich habe Kaliningrad gewählt. Weil ich das kenne. (Demnächst in Staffels Welt). Aber dann kommt der Moment, wo du sagst: Ich will nicht mehr berührt werden! Bis du das jetzt, oder bin ich das? Wer spricht hier über welche Art der Berührung? Sobald man öffentlich wird, sagt man: du. Oder: man. Obwohl man Ich meint. Ich meine gar nichts, Pavel. Ich scheiße auf Du oder Man. Auf mich scheiße ich auch, weil das erforderlich ist, solange man dich ernst nehmen soll. Das war ein Exkurs. Also noch mal von vorne: Es war ein Hochzeitstisch bei Kaufhof, der das alles losgetreten hat. Du heiratest und irgendwer organisiert die Beschenkung. Voraussetzung: Alle kaufen bei Kaufhof. Geht aber auch bei Karstadt oder im Kaufhaus des Westens oder so. Da wird alles aufgetischt, was du dir wünschst, und die, die schenken wollen, können da hin gehen, sich etwas aussuchen, und das ist dann weg. So verhindert man, dass etwas doppelt geschenkt wird. Du freust dich natürlich. Sofern du derjenige bist, der verheiratet wird. Ich freue mich nicht! Wer heiratet mich? Du? Man? Entschuldigung. Ich will weder romantisch noch sentimental werden. Neulich war ich im Theater, und meine Freundin C. fand den Abend romantisch. Ich fand ihn sentimental. Der Autor, der auch der Regisseur war, fand beide Auslegungen unangemessen. Das ist natürlich sein gutes Recht. Wenn man mal was fühlt, sollte man das besser für sich behalten, zumindest gegenüber den Gefühlsproduzenten. Meine Freundin C. und ich sprechen jetzt auch nicht mehr darüber. Wahrscheinlich weil wir uns dumm fühlen, obwohl wir ja beide so schön gefühlt hatten. Kill Your Darlings hieß der Abend. Da darf man schon fragen, ob du das jetzt auf den Moment oder dein Leben beziehen sollst. Ich setze dieses Prinzip jetzt absolut für mich. Da bin auch wieder Ich. Kill your darlings. Die kommen gar nicht mehr vor, und dann kannst du oder ich oder man, wir können dann auf einmal völlig angstfrei leben. Ich lebe gerade total angstfrei, weil du weder jemals wirklich da warst, noch irgendjemand in Zukunft da sein wird. Zumindest niemals so, wie du oder ich es erwarten. Ich fange gerade zum wiederholten Mal an, mich zu mögen. Also Kaliningrad. Mit oder ohne Pavel. (Fortsetzung folgt)

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