Donnerstag, 29. Dezember 2011

Sorgerechtsstreit

Heimatfahrt Weihnacht. Ich sitze am Gang, habe reserviert, Großraumwagen. Die Gänge sind gefüllt mit Kinderwagen und Leuten ohne Reservierung. Eine Frau quetscht sich zu mir durch. Der Platz neben mir ist frei. Ob ich reserviert habe. Keine Ahnung, was das mit dem freien Platz neben mir zu tun haben soll. Sie setzt sich, und ich befürchte, sie riecht. Nach einer Stunde klingelt ihr Telefon. Die Tochter Verena. Verena ist außer sich. Sie verliert ihren Sorgerechtsstreit um Felix. Felix ist der Sohn aus Verenas Beziehung mit Erik. Jetzt ist Verena schwanger von Henry. Die Mutter neben mir versucht ihre Tochter Verena zu beruhigen. Sie hätte nichts falsch gemacht. Der kleine Felix plappere nur nach, was der Vater Erik ihm sagt. Das könne man nicht ernst nehmen, aber es sei kein Wunder, dass der Richter das ernst nehme. Felix behauptet, es hätte wehgetan, und Erik setzt jetzt alles daran, das auszunützen, um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. „Nein, Verena, du hast nichts falsch gemacht. Am besten, du gehst jetzt mit Henry aus der Wohnung raus. Du musst auch an dein neues Baby denken. Nehmt euch irgendwo ein Hotel und denkt nicht dran. Ich zahle das auch.“ Immer wieder sagt sie, dass Verena nichts falsch gemacht hat und der kleine Felix, Verenas Sohn, lügt. „Du hast nichts falsch gemacht, als du das Besteck an seine Hände gebunden hast, Verena, wirklich nicht.“ Verena hat Messer und Gabel an die Hände ihres Sohnes Felix gebunden. Wahrscheinlich ist Felix  4 oder 5 Jahre alt. Er sagt, ihm hat das wehgetan. Offenbar wollte Felix sich nicht an Verenas Tischsitten gewöhnen. Oder die von seinem Stiefvater Henry. Irgendetwas hat mit dem Benehmen nicht geklappt, da hat Verena dann das Besteck an die Hände ihres Sohnes gebunden, und jetzt soll Verena in ein Hotel, weil sie das Sorgerecht verloren hat und nicht daran denken soll, wegen dem Kind, das sie noch im Bauch trägt, um das sie jetzt auch fürchtet, dass sie ihr das Sorgerecht für das Ungeborene gleich auch wegnehmen, wegen dem Besteck an den Händen, was laut ihrer Mutter gar nicht schlimm ist, so Besteck an die Hände von Kindern gebunden. Nach den Gespräch rechnet die Mutter ab. Sie hat Ausdrucke ihrer Kontoauszüge vor sich und schreibt mit einem Kuli hinter jede Abbuchung den Abbucher. Außerdem hat sie DIN A 5 Karteikarten, wo alle, die von ihr Geld bekommen, aufgelistet sind, senkrecht – und waagerecht die Zahlen 1-12. Dann sind in den Spalten jeweils Punkte oder Kreuze, und jetzt malt sie neue Kreuze. So eine Karte gibt es zweimal. Ich überlege, ob man das ‚Doppelte Buchführung’ nennt. Die Mutter von Verena gibt 160 Euro im Monat für Physiotherapie aus und 124 Euro für Strom. 1073,60 werden monatlich für den Hauskredit abgebucht. Für das Weihnachtsessen wurden 80 Euro ausgegeben. Sie hat 1300 Euro verdient im Dezember und ein volles dreizehntes Monatsgehalt erhalten. Ihr Mann hat 2400 Euro verdient und ist schon in Frankfurt am Main, wo sie gerade hinfährt. Das wird kein fröhliches Weihnachten. Ich habe aber Hoffnung für Felix. Für ihn ist die Geschichte möglicherweise gut ausgegangen. 19 Euro für Besteck und Schnur.

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