Freitag, 11. November 2011

Ben Howard's Stammkneipe - Stefan Zweig 2


Du kommst in den Laden, den andere deine Stammkneipe nennen, in den du aber nur gehst, weil er schon mittags auf macht und lediglich 32 Schritte von deiner Wohnung entfernt ist. Du gehst hin, obwohl es im Billiardzimmer nach Klo riecht, weil das Billiardzimmer zwischen den Klos liegt, und obwohl das Billiardzimmer zu klein ist und du mit dem Queue immer auch gegen die Wände stößt. Und du gehst hin, obwohl du da am liebsten draußen sitzt, nur dass dich da immer die Nachbarn und Bekannten sitzen sehen können, und sie dann immer ein Wort für dich haben, weil du da ruhig mit deinem Bier sitzt und sie noch mitten in ihrer Alltagsbewegung zerrissen sind. Und deshalb sitzt du, wenn du doch drin sitzt, lieber mit dem Rücken zum Fenster, damit die Nachbarn und Bekannten besser gar nicht erst ins Denken kommen über dich. Und dann kommst du eines Tages rein und hörst da drin Ben Howard. Bei Ben Howard passiert immer was mit dir, aber du hättest nie gedacht, dass dir das mal in dem Laden passiert, von dem sie sagen, er ist deine Stammkneipe. Und jetzt ist da auf einmal Ben Howard und nicht nur du und die, die nach der Arbeit von ihren Baustellen kommen, oder die, die kommen, weil sie gar keine Arbeit haben. Und weil eben Ben Howard auch da ist, und das deshalb sofort wieder mit dir passiert, denkst du plötzlich auch an Stefan Zweig und denkst, dass der jetzt auch da ist, irgendwie, und in diesem Moment ist da so was wie ein Lächeln, das dich selbst bezwingt.

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