Donnerstag, 26. Mai 2011

LUNAPARK - Russenfaschos

Seit zwei Stunden versuchen die von der Sparkasse mir ihren mobilen Berater anzudrehen. Es geht um ganzheitliche Konzepte im gehobenen Anlagegeschäft. Es geht darum, dass er mich beraten will, egal wo ich bin. Damit meint er Arbeitsplatz, zu Hause oder unterwegs, und das ist alles, was ihm dazu einfällt, wo sich jemand aufhalten kann. Ich wette, er hat nicht die geringste Ahnung, was ‚unterwegs’ bedeutet. Ihm steht der Schweiß auf der Stirn, und ich sage: „Mein persönlicher Berater darf auf keinen Fall schwitzen.“ Er wischt sich übers Gesicht und behauptet: „Es ist reine Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu tun.“ Ich frage mich, wie mittelmäßig die Tötung eines mobilen Bankers wäre. „Das hat Madonna gesagt.“, schiebt er nach, wohl wissend, sein letztes Feuer verschossen zu haben. Ich scheiße auf Madonna. Moshe mochte sie. Ich erinnere mich an einen Ecstasy-Trip mit ihm im Spreepark. Wir sind in einem Kanu einen Wasserfall runter, der Auslöser wurde automatisch ausgelöst, und unten haben sie einem das Foto angeboten. Das zeigt Moshe und mich in diesem Kanu, voll auf E und später auf Schwänen im künstlichen Teich und keine Ahnung, wie wir aus diesem Park wieder rausgekommen sind, aber in der Nacht hat Moshe nicht mehr aufgehört zu reden. Bis ich ihm vor die Füße gekotzt habe, weil mir schlecht von seiner Stimme wurde. Der mobile Berater der Sparkasse schwitzt vor dem Bücherregal, auf dem das Kanufoto steht. Ihm kann ich schlecht vor die Füße kotzen, weil das meine Wohnung ist, in der er mich verrückt macht. Ich könnte ihm meine Kontoauszüge zeigen, damit er endlich kapiert, dass er sich in der Tür geirrt hat. Ich überlege, ob es nicht besser ist, seinen Direktor Olaf Scholz zu töten. Noch neun Stunden bis zur Eröffnung des LUNAPARKS. Die beleben da den Spreepark wieder, der seit Jahren tot ist. Die Fahrgeschäfte rosten vor sich hin, das Cowboydorf bewohnen Wildschweine und Waschbären, und jetzt veranstalten so ein paar Digital Natives da Spektakel mit Musik und Vortrag und Theater und alles interaktiv. Der Besucher ist die Show. Ich frage mich, was Moshe da wollte, warum dieser mobile Berater vor dem Foto aus alten Zeiten posiert, warum ich überhaupt darüber nachdenke, mich da blicken zu lassen, frage ich mich, und allmählich verliert mein potentieller persönlicher Ansprechpartner endgültig die Nerven. Von ihm bleibt am Ende auch nichts weiter übrig als eine Karte, die ich ihm beim Rausgehen auf seiner Schleimspur in den Arsch zurückschiebe, und das bringt mich auf Verneau, und ich denke: Kernschmelze. Als ich 8 war, bin ich für 50 Mark Achterbahn gefahren und mein Vater hat sich im Bierzelt besoffen. 30 Jahre später liegt mein Vater im Pflegebett und flüstert was von wegen Zukunft, er käme schon allein zurecht, und Moshe zieht mich aus dem Zimmer raus, weil er weiß, dass das nicht gut geht mit mir und meinem Vater. In Russland habe ich mich mal mit ein paar Faschos in einem Luna Park geprügelt, auch so ein Moshe-Trip. Eigentlich war das ein Film von Pavel Lungin, aber plötzlich standen die Faschos auf Moshe Aktürks Dachterrasse in Charlottenburg, und wir prügelten uns auf russisch. Ich rufe Verneau an. Er sagt, wir stehen auf der Gästeliste. Er hat Kontakte. Ich wusste, die Sache stinkt. (Fortsetzung folgt)

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