Samstag, 28. Mai 2011

Spreezone Ost - Bullentanz

Die Lampions blinken als Zeichen für die letzte Bestellung. Allmählich leert sich der Biergarten. Das Personal füllt die Getränke aus unseren Gläsern in Plastikbecher um; es ist kurz vor Mitternacht; es sind vielleicht noch dreißig Spieler an den Tischen. Um fünf Minuten nach Mitternacht sitzt keiner mehr. Zwanzig Polizisten in Kampfanzügen marschieren auf. Die Gruppen der zivilen und der uniformierten Spieler rücken aufeinander zu. Die Uniformen wissen plötzlich nicht, was tun, weil wir, die Zivilen, von ganz alleine gehen. Das ist nicht vorgesehen. Der Kampftrupp ist hier, um uns rauszuschaffen, notfalls mit Gewalt. Vor den Toren die Wannen. Die Bullen mischen sich unter uns, versuchen so zu tun, als würden sie zu uns gehören. Pausentee, die Frauen in Uniform wie die Nutten in den Wäldern kurz vor Polen. Gefährlich, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Falsche Fährte. Kein Einsatz, kein Gewinn. Die Wannen fahren im Kreis, auf dem Bürgersteig endet der Einsatzbefehl des Räumkommandos. Dänische Gangsta-Touristen grölen ihnen ihre Urlaubsgrüße in die Fressen, ein Dutzend Serben kotzt ihnen vor die Füße, die Bullen warten weiter tapfer auf die Wannen. Die öffnen noch im Fahren ihre Hintertüren, und die Uniformen springen unsagbar lässig auf. Zehn Minuten nach Mitternacht. Der Bullen-Raid sucht sein Glück woanders. Das Spiel läuft weiter. Wir waten durch die Serbenkotze. Ein paar Metrosexuelle plündern den Mülleimer der Falafelmänner. Die Araber sehen aus wie Pakistani, die nicht wissen, wie sie auf Metrosexuelle in ihrem deutschen Müll reagieren sollen. Prenzlauer Berg, Freitag Abend. 12-Jährige rauchen Shisha mitten auf der Danziger Straße, aber die Bierbullen in ihren Wannen lassen sich nicht wieder blicken. Irgendwer wirft seine letzten 2-Euro-Münzen in den Schlitz und wir kommen noch drei Straßenzüge vorwärts. Ich wünschte, ich könnte Telekinese. Wie der Bulgare mit den Enten. Wir streiten darüber, ob es nötig ist, dass man im Leben strebsam ist. Ob man mit sich gut sein kann, ohne nach irgendwas zu streben. Auf jeden Fall gewinnt man so kein Spiel.

Freitag, 27. Mai 2011

LUNAPARK - Burn Out Man


Die ganze Zeit habe ich das Bild von Angela Merkel in ihrem blauen Kostüm vor Augen; sie erklärt, dass Nordafrikaner und die aus dem Nahen Osten unsere Nachbarn sind und dass die Arbeitslosigkeit in Ägypten ein echtes Problem für uns darstellt. Im Lunapark binden sie uns gelbe Leuchtbänder um die Handgelenke, damit man uns von denen, die über den Zaun steigen, besser unterscheiden kann. Ich kann nirgends die Parkraumüberwachung, noch über den Zaun steigende Ägypter entdecken. Verneau will sich einem Raid anschließen, aber er ist nicht angemeldet, was ein Problem ist, und ich frage mich, wie ich hier auf jemanden stoßen soll, der mit Moshe Aktürk verabredet sein will. Dass er noch lebt ist mir mittlerweile klar. Die Bombe an der Oberbaumbrücke geht auf sein Konto. Er versteht sich auf diese Fälschungen, zumal die Weltkriegsüberbleibsel überall rumliegen. Da fällt es niemandem auf, wenn man die fälscht. Nur ist die Scheiße nicht hochgegangen. Moshes Kommentar zur Spreezone – Sprengung der Oberbaumbrücke. Ich surfe durch den Vergnügungsdschungel, folge ein paar Ladys mit Cowboyhüten ins Bierdorf und treffe überall Geister, weil hier die Geister des Vergnügens wieder auferstanden sind. Die Schausteller sind zurück, um sich an die alten Zeiten zu erinnern, und plötzlich drehen sich die Kaffeetassen wieder um die Kaffeekanne, und in den Tassen sitzen schreiende Kinder, und in den Bäumen darüber hocken unsichtbare Schlagzeuger. Moshe hätte das gefallen. Er wäre auf das Riesenrad geklettert und wäre gesprungen. Jetzt löst es sich einfach so aus der Verankerung und rollt über die Brache, wie Woody Allens Riesentitte, die durchs Everything You Always Wanted To Know About Sex-Land rollt. Ein kleiner Junge angelt nach Enten; ein Bulgare hält den Eimer mit den Gewinnen, weil es hier keinen Auto-Scooter gibt – bei dem wäre er der Herr der Wagen gewesen, der, den alle bewundert hätten, der mit den Chips, der mit den Mädchen, der, mit dem Moshe irgendwas gedealt hätte. Verneau hat sich mittlerweile als Spieler registrieren lassen. Sein Raid geht gleich los. Er denkt, dass er da auf Moshes Kontakt trifft, was mir egal ist, weil ich ihn wahrscheinlich schon gefunden habe. Ein zweiter Bulgare beaufsichtigt den Bulgaren bei den Enten, vielleicht sein Vater. Jemand schlägt mir auf die Schulter. Vogelsang. Träumt schon seit Jahren vom Pulitzer-Preis und begreift nicht, dass er im falschen Land lebt. Fragt, für wen ich schreibe. Denkt, ich wär einer von ihnen. Lacht. Sagt, wir haben uns ja ewig nicht gesehen. Der Fisch-Bulgare lächelt den Jungen an, der immer noch angelt und keine Ahnung hat, auf welchen Gewinn er eigentlich hoffen soll. Der Bulgare macht Telekinese mit den Enten. Vogelsang will Bier und fragt, wann Moshe endlich kommt. Ob es Moshe war, der mir Angela Merkels Tagebücher besorgt hat. Ob ich sie ihm nicht verkaufen will. Das ist kein Ort für Verhandlungen. Ob er sich hier mit Moshe verabredet hat, frage ich Vogelsang, als plötzlich Feueralarm ausgelöst wird. Der Burn Out Man hat sich entflammt; das ist nicht vorgesehen, nicht für heute. Der Enten-Bulgare grinst mich an, und als ich mich umdrehe, rollen bereits die Löschfahrzeuge an, und Vogelsang ist verschwunden. (Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 26. Mai 2011

LUNAPARK - Russenfaschos

Seit zwei Stunden versuchen die von der Sparkasse mir ihren mobilen Berater anzudrehen. Es geht um ganzheitliche Konzepte im gehobenen Anlagegeschäft. Es geht darum, dass er mich beraten will, egal wo ich bin. Damit meint er Arbeitsplatz, zu Hause oder unterwegs, und das ist alles, was ihm dazu einfällt, wo sich jemand aufhalten kann. Ich wette, er hat nicht die geringste Ahnung, was ‚unterwegs’ bedeutet. Ihm steht der Schweiß auf der Stirn, und ich sage: „Mein persönlicher Berater darf auf keinen Fall schwitzen.“ Er wischt sich übers Gesicht und behauptet: „Es ist reine Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu tun.“ Ich frage mich, wie mittelmäßig die Tötung eines mobilen Bankers wäre. „Das hat Madonna gesagt.“, schiebt er nach, wohl wissend, sein letztes Feuer verschossen zu haben. Ich scheiße auf Madonna. Moshe mochte sie. Ich erinnere mich an einen Ecstasy-Trip mit ihm im Spreepark. Wir sind in einem Kanu einen Wasserfall runter, der Auslöser wurde automatisch ausgelöst, und unten haben sie einem das Foto angeboten. Das zeigt Moshe und mich in diesem Kanu, voll auf E und später auf Schwänen im künstlichen Teich und keine Ahnung, wie wir aus diesem Park wieder rausgekommen sind, aber in der Nacht hat Moshe nicht mehr aufgehört zu reden. Bis ich ihm vor die Füße gekotzt habe, weil mir schlecht von seiner Stimme wurde. Der mobile Berater der Sparkasse schwitzt vor dem Bücherregal, auf dem das Kanufoto steht. Ihm kann ich schlecht vor die Füße kotzen, weil das meine Wohnung ist, in der er mich verrückt macht. Ich könnte ihm meine Kontoauszüge zeigen, damit er endlich kapiert, dass er sich in der Tür geirrt hat. Ich überlege, ob es nicht besser ist, seinen Direktor Olaf Scholz zu töten. Noch neun Stunden bis zur Eröffnung des LUNAPARKS. Die beleben da den Spreepark wieder, der seit Jahren tot ist. Die Fahrgeschäfte rosten vor sich hin, das Cowboydorf bewohnen Wildschweine und Waschbären, und jetzt veranstalten so ein paar Digital Natives da Spektakel mit Musik und Vortrag und Theater und alles interaktiv. Der Besucher ist die Show. Ich frage mich, was Moshe da wollte, warum dieser mobile Berater vor dem Foto aus alten Zeiten posiert, warum ich überhaupt darüber nachdenke, mich da blicken zu lassen, frage ich mich, und allmählich verliert mein potentieller persönlicher Ansprechpartner endgültig die Nerven. Von ihm bleibt am Ende auch nichts weiter übrig als eine Karte, die ich ihm beim Rausgehen auf seiner Schleimspur in den Arsch zurückschiebe, und das bringt mich auf Verneau, und ich denke: Kernschmelze. Als ich 8 war, bin ich für 50 Mark Achterbahn gefahren und mein Vater hat sich im Bierzelt besoffen. 30 Jahre später liegt mein Vater im Pflegebett und flüstert was von wegen Zukunft, er käme schon allein zurecht, und Moshe zieht mich aus dem Zimmer raus, weil er weiß, dass das nicht gut geht mit mir und meinem Vater. In Russland habe ich mich mal mit ein paar Faschos in einem Luna Park geprügelt, auch so ein Moshe-Trip. Eigentlich war das ein Film von Pavel Lungin, aber plötzlich standen die Faschos auf Moshe Aktürks Dachterrasse in Charlottenburg, und wir prügelten uns auf russisch. Ich rufe Verneau an. Er sagt, wir stehen auf der Gästeliste. Er hat Kontakte. Ich wusste, die Sache stinkt. (Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 25. Mai 2011

Spreezone - LUNAPARK- Prolog

Früher habe ich hier gewohnt. Treptow. Wir haben das Kampfwohnen genannt. Die Schulabgänger mit Bulldoggen, Mastiffs und Bierflaschen. Die anderen sind einfach so getorkelt, und die Alten haben sich ängstlich unsichtbar gemacht. Nachts kam Hitler oder die SS oder mit wem auch immer sich die Besoffenen Mut und Wut herausgebrüllt haben. Manchmal haben wir sogar den Döner im Gülsen-Imbiss gegessen. Der war komplett gefliest, damit man die Kotze besser aufwischen konnte. Da haben sie auch Schnaps gesoffen. Hochrote, hassgefüllte Köpfe, sofern da noch die Kraft für Hass war. Ansonsten nur der dumpfe Schmerz, beim Leben nicht mehr dabei zu sein. Ich erinnere mich an einen Typen, einen Freakpunk im Rippchenunterhemd mit weiß-schwarzem Bullterrier, auf den sind meine niederen Instinkte angesprungen, und mit jedem Blick hab ich’s drauf angelegt, dass er mir auf die Fresse gibt, oder den Hund loslässt. Ist nie was passiert. Keine Ahnung, ob er es auch raus geschafft hat. Jedenfalls, ich bin wieder da. Natürlich haben sie auch hier längst gentrifiziert. Die Restposten von damals kriechen sehnsüchtig durch den Park-Center, verschanzen sich in den Erdgeschossen der Seitenstraßen. Ohne den Anruf wäre ich hier nie wieder aufgetaucht. Jemand, der sich Verneau nennt, durchforstet Moshes Smartphone. Ich bin der Auserwählte. Verneau behauptet, Moshe sei in seiner Wohnung umgefallen. Sie hätten sich gerade erst kennengelernt, Verneau hat ihn eingeladen, dann hat Moshe über Schwindelgefühle geklagt. Als er umfiel, schlug er mit dem Schädel auf Verneaus Parkettfußboden auf. Aus seiner Nase lief Blut. Exakt sieben Minuten und dreißig Sekunden nach Verneaus Anruf traf der Notarztwagen ein. Moshe atmete zwar noch, aber er war bewusstlos. Moshe wurde abtransportiert. In einem Krankenhaus ist er nie angekommen. Verneau hat sich schon überall erkundigt. Moshe Aktürk ist spurlos verschwunden. Ich bin derjenige, den Verneau sich aus Moshes Datenbank herausgefischt und hierher bestellt hat. Ich habe keine Wahl. Sollte Moshe tatsächlich etwas zugestoßen sein, muss ich diesem Verneau vertrauen. Seltsames Gefühl, zurück zu sein und kein Mensch erkennt einen. Verneau erkenne ich an der Dose Sekt, mit der er auf einer der Bänke vorm Kaiser’s hockt. Ich erwarte, dass er von mir verlangt, mich auszuweisen. Stattdessen reicht er mir auch eine Dose Sekt. Wahrscheinlich hat er mich kaputtgegoogelt. In Moshes Kalender gibt es lediglich einen einzigen Eintrag: 26. Mai, 18 Uhr, LUNAPARK Berlin. Dahinter ein Totenkopf. Verneau erzählt mir, wie sie sich kennengelernt haben. Ich bin nicht interessiert. Er steckt mir seine Visitenkarte zu, behauptet, auch in Moshes Haus erinnere sich niemand an einen Aktürk. So weit war ich auch schon. Verneau fragt, ob ich morgen Abend zu diesem LUNAPARK im Spreepark-Pläntnerwald wolle. Ich bin nicht sicher. Moshes Verschwinden kommt mir nicht ungelegen. Andererseits ... „Ich könnte dich begleiten.“, sagt Verneau und grinst. Grübchen in den Wangen, und ein Muttermal über dem rechten Mundwinkel. Keine Ahnung, in welche Scheiße ich da reinrutsche. Wir werden sehen. (Fortsetzung folgt)

Freitag, 13. Mai 2011

Die geheimen Tagebücher der Angela Merkel - Gedichte 2


Regen
Wer sind diese Leute, die mir den Schirm halten? Ich kann an ihrem Duft erkennen, dass sie auf mich vorbereitet sind. Wonach riecht ihr ohne mich? Ich erhasche einen Blick auf eure makellosen Hände und schmecke den Dreck unter den Nägeln meiner Feinde. Wo geht ihr hin, wenn ich vorbei bin? Was wird aus mir, ohne dein Versprechen, Josef? Du bist die Bank, die ihr Versprechen hält, weil deine Lady sonst nur mit dir fällt.

Ekel
Mama, hörst du mich? Deine Haare, Ekel. Wenn ich dich kauen höre, Ekel. Du kaust ständig deine Haare, Mama. Marcus’ Hände, Ekel. Der Blick Irenes, Ekel. Die Andacht des Vaters, Ekel. Ihr merkt es nicht. Die Schauer und die Haut, die mich ... Ihr kennt den Ekel nicht. Ihr seht nicht hin. Auf den Fluren der Universität, mein Blick auf dem polierten Linoleum, der Blick der Kommilitonen, Ekel. Selbst wenn ich versuche, der Aufbau, Ekel. Ich bin ein braves Mädchen. Ich forsche und um mich herum nur, Ekel. Hörst du mich, Mama? Da ist nur Ekel, wo ich bin. Hilf mir, Mama. Deine Haare. Bitte.

Mein Kleiner ...
... Pornostar. So habe ich es mir nie vorgestellt. Abscheu, Urteil, widerwärtig. Der Lindner hat’s mir beigebracht. Denkst du: Milch, dann ist er Opium, doch in Wahrheit schluckt er Cum. Initiative gegen Anglizismen. Herr Ulmen meldet sich zu Wort, auf meiner Seite, doch mein Christian heißt Lindner, Kleiner. Nur durch ihn verstehe ich Cum und Porno und bin rein. Und schlucke und bin glücklich. Sauge, führe ein und liebe mit dem Bildschirm vor uns, Flackern. Kannst du nicht ohne, Kleiner, ist das bei deinem Preis das Kleingedruckte? Ich bin Porno, deine Lady, so lange alles dunkel bleibt, ist mein Kleiner feucht und nass und ganz egal, wo du für uns hinstarrst, solange du nur bei mir oder in mir bist.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Die geheimen Tagebücher der Angela Merkel - Gedichte 1


Haut
Die goldenen Tage sind gezählt. Der Schwamm auf meinem Rücken erzählt aus einer anderen Zeit. Welkes Fleisch, mein Kleiner, wofür bezahle ich dich? Zwischen meinen Beinen war ich vor dir längst vergangen, also lächelst du, vergeblich; also flehe ich, vergib mir.

Ohne dich
Ich fliege. Und starre in die Fressen, ihre Mäuler unaufhörlich, der neuste Stand. Mein Atem ein Notizbuch, mein Herz ist ausgefallen, im Nirgendwo, treffe ich Entscheidungen. Die Fressen starren unbewegt; ich komme nicht dahinter. Die Mutigen schnappen nach meiner Luft; sie füttern mich mit Worten, die ich sagen werde. Landung. Hände. Lächeln. Ich wünschte, es wäre deins, mein Kleiner.

Fehlversuch
Sechzehn, sagst du, und ich weiß, du bist erst vierzehn. Mein Sohn, so nennst du unser Spiel, weil du meinst, etwas von meiner Sehnsucht zu verstehen. Du kennst den Kalender nicht, der für mich mein Leben spielt, weißt nichts von dieser Welt, die weiter wächst, weil ich es will. Einen Versuch hast du, mein Kleiner, weil ich die anderen brauche. Dir gestatte ich nicht einen Fehler; davon habe ich genug. Gemacht, getilgt und ausgemerzt. Du bist kein Fehlversuch, den ich mir leiste; du überlebst es nicht, wenn du ein Fehler bist, den ich mir niemals leisten darf.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Die geheimen Tagebücher der Angela Merkel - Grand Prix Eurovision

Jetzt ist dieser ölige Asiate zu weit gegangen. Er hat immer so schwitzige Hände, ekelhaft, und seine Stirn glänzt auch so fettig, und jetzt ernennt er sich einfach zum Wirtschaftsminister, weil man da auch mal was Gutes zu vermelden hat und einfach mehr glänzen kann als mit dieser Gesundheitsscheiße. Ist das zu fassen? Wegen ihm konnte ich das 1. Halbfinale des Grand Prix Eurovision nur im Schnelldurchlauf gucken. Die Türken hatten Schlangenfrauen in Käfigen auf der Bühne, das hat mir gefallen. Vor lauter Aufregung habe ich meine Todesliste verlegt; das verstehe ich nicht. Sie war doch immer hier im Buch. Wer hat Zugriff auf mein Tagebuch? Und jetzt schickt mir dieser Vietnamesenschleim auch noch ständig SMS. Von wegen Vizekanzler. Das fehlt noch. Nicolas hat völlig recht. Es kann nicht angehen, dass die im Nahen Osten, Nordafrika, die ganzen Araber jetzt auf Demokratie machen. Das bestätigt nur, was wir längst wissen: Demokratie ist veraltet. Wir sind der Fortschritt. Wir müssen uns abgrenzen. Die parlamentarische Demokratie muss ersetzt werden. Bloß weil die Barbaren ihre Diktaturen stürzen möchten, bedeutet das nicht, dass wir sie nicht dringend einführen müssen. Wo wären wir, wenn ich könnte, wie ich wollte? Man kann die Russen nur beneiden. Ich könnte heulen. Jetzt schickt mir dieser Schlitzaugenbastard auch noch seine Lieblings-Udo-Jürgens-Hits. Die Integration ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Man kann so etwas nicht integrieren. Wozu auch? So was muss weg. Ich kann nur sagen: Kauft Frontex-Aktien. Das ist der Zukunftsmarkt. Dafür werde ich schon sorgen. Kristina meint, ich solle mir mal bei Rapunzels Lockenstudio die Haare machen lassen. Spinnt die? Da geht doch auch diese Künast-Fotze hin. Kristinas Schwangerschaftshormone gehen wahrscheinlich mit ihr durch. Sie ist auch so eine Fehlbesetzung. Inhaltlich auf Linie, aber sie benimmt sich in der Öffentlichkeit genauso wie bei unseren Pyjamapartys. Jetzt streikt auch noch meine Munddusche, und ich muss Zahnseide benutzen, und dann spritzen die Speisereste aus meinen Zahnzwischenräumen wieder gegen den Spiegel, und Joachim wird sauer, und auf diese Diskussion habe ich nun wirklich keine Lust. Wo ist nur diese verdammte Todesliste hin? Der Bulgare muss da drauf, der mit den Kuhfell-Holzschuhen. Am besten gleich alle Bulgaren. Bulgaren mochte ich noch nie.

Sonntag, 8. Mai 2011

Die geheimen Tagebücher der Angela Merkel - SAW III

Joachim drückt die Wiederholungstaste für mich und reibt sich den Schwanz. Er weiß, ich kann das nicht leiden, aber der Osama-Film lässt mich über seine Provokation hinwegsehen. Ich kann einfach nicht genug von den Bildern bekommen. Ich bin so froh. Aber ich kann Hillary verstehen. Sie ist so empfindlich, wenn es um Blut geht. Als ich ihr mal vorschlug ‚Saw III’ zusammen zu gucken, hat sie allein der Gedanke daran aufschreien lassen. Joachim sieht sich lieber den Film über den Film an, also die Bilder von Obama und Hillary; er spricht von Meta-Ebene und Glück, und dass inszeniertes Glück besser als gar kein Sex sei; und dann reibt er sich wieder den Schwanz, und ich weiß, dass ich ihn nicht glücklich mache. Ich rufe Nicolas an, aber er geht nicht ran. Manchmal fragt mich Joachim, ob ich seine wöchentliche Geschlechtspartnerin aussuchen möchte. Um auch irgendwie beteiligt zu sein. Ich hasse  Sonntage. Ich mache uns Kaffee, und Joachim massiert sich die Eier. Er fragt, ob ich mir Sorgen wegen der Anzeige mache. Er fragt, ob ich wirklich wie Obama denke, dass der Krieg gegen al-qaida nun gewonnen sein wird. Ich hasse es, wenn er ‚Krieg’ sagt. Karl-Theodor konnte das so schön. Wenn er vom Krieg sprach, fühlte ich mich als Kriegerin. Wenn Joachim es sagt, fühle ich mich schmutzig. Ich stelle mir vor, was Nicolas gerade mit Carla anstellt, weil er nicht rangeht, und dann spule ich den Osama-Film wieder zurück, und dann stelle ich mir so einen Film mit Carla vor. Wie ihr das kleine Spatzenhirn aus dem Kopf geschossen wird und mir in den Schoß fällt, wo Nicolas es mir mit seiner Zunge ... ich hasse Sonntage. Doch dieser ist süß. Ja, ich freue mich. Und kein Gericht der Welt wird mich dafür zur Verantwortung ziehen können. Ich wünschte, ich wäre doch in Libyen dabei. Dann hätte Hillary mich vielleicht ... die Vorstellung erregt mich – mit dabei gewesen zu sein, die Exekution live erlebt zu haben und den Schauer der erfüllten Rache zu spüren, Hillarys Hand in meiner, Nicolas Atem in meinem Nacken und Michelle reicht eine Platte ihrer selbstgebackenen Brownies herum, und ... vielleicht lässt sich ja in Syrien was machen ...