Mittwoch, 2. März 2011

Wir leben noch


Gestern sollte Jesús kotzen. Er wollte das richtig machen, also hat er erst die Gemüsekotze, die wir für den Fake vorbereitet haben, gegessen und dann einen Liter lauwarmes Salzwasser getrunken, und dann hieß es: Kamera set und bitte. Jesús hat sich den Finger in den Hals gesteckt und konnte nicht kotzen. Er hat dann nach mehr und stärkerem Salzwasser verlangt, das hat aber auch nichts genutzt und er war sehr enttäuscht, während wir uns alle gefragt haben, wie das passieren konnte, weil wir uns schon nach zwei Schlucken von dem Salzgebräu übergeben hätten. So ist das also auf der Insel, die uns inhaftiert hat. Cem meint, nach zwei Wochen käme es ihm vor, als wäre er fünf Jahre hier; und wenn er das sagt, klingt es wie: lebenslänglich. Vorgestern hat sich Jesús auf dem zugefrorenem Wattenmeer verlaufen. Eigentlich wollte ich keine Bild-Metaphern im Film. Eigentlich wollte ich keine Fehltage in Staffels Welt, die mittlerweile ohne Vorstellung von Raum und Zeit existiert. Giftgas dringt hier nicht durch, seit gestern möchte ich Verteidigungsminister werden, und dann sehe ich mich kotzen, während ich mir vorstelle, wie Guido Westerwelle über mögliche militärische Intervention verhandelt. Aber das ist ein anderer Raum.

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