Donnerstag, 24. März 2011

Privatdance im Sarkozy's

Libyen lag auf den warmen Steinen neben Fukushima und betrachtete seinen Schwanz, mit dem er eben noch versucht hatte, irgendwas aus ihr herauszuholen. „Liebe braucht Eigentum. Und Kapitalismus braucht keine Erwiderung.“, hörte sie sich sagen. Fukushima hasste es, wenn sie so redete. Libyen lächelte, zog sich Fukushimas Hemd über und suchte in der Küche nach etwas Essbarem. Fukushima schämte sich. Er mochte ihren Geruch, aber er traute ihr nicht. Libyen kam mit Weintrauben und Ziegenkäse zurück. Offenbar hatte sie sich etwas eingeworfen. Fukushima hatte vergessen, seine MDMA-Kristalle vor ihr zu verstecken. Er panschte sich nur noch am Wochenende sein Bier damit, aber Libyen schien sich die Scheiße im Sekundentakt einzufahren. Sie setzte sich auf seinen Schwanz und erwartete irgendwas, das er ihr nicht geben wollte. Seit Libyen fühlte Fukushima sich alt. Er sehnte sich nach etwas Verbindlichem, aber wenn er abends neben Libyen einschlief, war morgens manchmal sein ganzer Körper mit feinen Schnitten übersät. Libyen schob ihm gelangweilt ein paar Weintrauben ins Maul. Als sie merkte, dass sich unter ihr nichts regte, verzog sie sich ins Bad. Im Radio lief ein Bericht über Wachstumsbeschleunigung in Katastrophengebieten. Fukushima sah sich in seiner Wohnung um und zog einen Schlussstrich. Libyen fand sich nackt im Hausflur wieder. Hinter den Spionen lugten die Voyeure, die nur darauf gewartet hatten, dass endlich was passierte. Libyen trat gegen jede einzelne Tür und beschloss, den nächsten Schwanz, der ihr unter den Arsch kriechen wollte, einfach abzuschneiden. Ihr fiel einfach nicht ein, wo sie hingehen sollte. Nach Hause konnte sie nicht. Zuhause gab es schon lange nicht mehr. Und zurück ins Sarkozy’s, ihre Möse an der Stange reiben, wollte sie auch nicht. Die Tänzerinnen durften eigentlich nicht berührt werden, aber spätestens wenn die Besoffenen ihren Rest Wochenlohn für einen Privatedance locker machten, waren sie ihnen in den Kabinen ausgeliefert, und die Türsteher vom Sarkozy’s kümmerten sich einen Scheiß darum. Aber irgendwo musste Libyen hin. Bei irgendwem musste sie unterkriechen, nur so lange, bis sie klar genug für einen neuen Plan war. Sie hockte sich auf den Bürgersteig und wartete auf ein Zeichen. Fukushimas MDMA war noch das Beste an ihm gewesen, aber hier auf der Straße verflog der Rausch zu schnell, oder versteckte sich in einem Winkel von Libyens Hirn, an den sie einfach nicht ran kam. So wie Fukushima nicht an sie herangekommen war. Fast tat er ihr leid. Aber sie hatte genug von den Katastrophen der anderen. Und Fukushima war ein Berg voll Scheiße, das hatte sie schon beim ersten Fick gemerkt. Hätte sie sich auf ihn eingelassen, hätte er sie mit seiner Scheiße zugemüllt. Darauf wollten solche Typen immer raus. Erst geben sie den Verständigen, und bloß weil du zuhörst, bilden sie sich ein, du suchst ihren Schutz, und dann fühlen sie sich stärker, als sie jemals sein werden, sind überzeugt, du bist zu blöd, um auf dich selbst aufzupassen und erpressen dich mit deinem Mitleid. Kommen dir mit ihrer Geschichte, die für alles herhalten muss, für jeden Betrug und jeden Schlag in deine Fresse. Libyen hatte genug von den Würmern, denen man sie zum Fraß vorwarf. Sie brauchte einen Plan. Sie brauchte ein Zeichen. Fortsetzung folgt.

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