Dienstag, 8. Februar 2011

Omegapunkt


Du träumst zwei Träume gleichzeitig, also parallel, und du denkst: Bestimmt bringst du die Geschichten irgendwann zusammen. Die Träume laufen schon unaufhaltsam aufeinander zu. Aber sie vereinigen sich nicht. Stattdessen ist da eine unglaubliche Detonation, und dann explodierst du, oder dein Körper, oder dein Kopf, oder alles zusammen, gleichzeitig oder nacheinander, das ist nicht mehr zu unterscheiden. Da ist überall noch Nachbeben, also du, dein Körper, alles bebt noch nach, nach dieser Kollision. Das ist wie bei luftelektrischen Entladungen, denkst du, nur dass zwischen Einschlag und Nachhall keine Verzögerung mehr existiert, und dir wird klar, dass dieser ganze Multi-Task-Scheiß für Träume ungeeignet ist. Du versuchst dich zu erinnern, an welchen Punkten der Geschichten es zu Zusammenstoß und Auslöschung kam, und bisher dachte ich immer: Du kannst zwei Leben leben, oder drei, und jeder, dem du begegnest, sieht dich in einem anderen, nämlich seinem, aber das siehst du jetzt anders. Jetzt musst du fürchten, dass eins dem anderen begegnet und dann ... und was, wenn dich doch alle im selben sehen und nur du dich in einem anderen? Was also, wenn du einem begegnest, der dich kennt, obwohl du gerade glaubst, ein anderer zu sein, jemand, den kein Mensch kennt? Wer überlebt das dann – du oder der andere? Angeblich kann man sich nur kennen, wenn man Geheimnisse hat. Mann erkennt sich in dem, was man für sich behält. Du bist das, was kein Mensch von dir weiß. Und das explodiert dann. Oder du hast Pech und fristest dein Leben als Blindgänger. Und am Ende bist du wieder am Anfang und hast keine Ahnung, ob du es dann überhaupt bemerkst.

1 Kommentar:

  1. Lieber Tim Staffel, der Blog ist super. Ich würde Ihnen gerne eine Anfrage senden, leider konnte ich keine Kontaktmöglichkeit auf der Seite finden... Ich würde mich freuen, wenn Sie mich kurz unter sebastianquack@gmail.com anpingen könnten. Danke und viele Grüße, Sebastian Quack

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