Freitag, 7. Januar 2011

Ägir, der Meerriese

Auf Sylt haben die Leute die Schnauze voll vom Schnee. Vom Eis sowieso, und jetzt geht das Streusalz aus, was auf einer Insel angeblich von besonderer Bedeutung ist. Ich hätte nicht gedacht, dass das Watt einfrieren kann. Ich hätte auch nicht gedacht, dass man mich hierher verschickt. Es hat angeblich was mit dem Loch in meinem Kopf zu tun. Ich frage mich, was Ägir macht, wenn das Meer zufriert. Ägir ist ein Meerriese. Es heißt, er frisst Seefahrer. Früher haben sie für eine sichere Überfahrt gebetet. Wo das Loch in meinem Kopf herkommt, ist nach wie vor nicht geklärt. Ich dachte immer, wenn dir einer ein Loch in den Kopf schießt, bist du tot. Oder zumindest ein anderer als der, der du vorher warst. Tot bin ich nicht. Aber es gibt Leute, die sich um mich sorgen. Vielleicht weil sie denken, auf einen Schuss folgt manchmal auch ein zweiter. Vielleicht halten sie mich auch für einen anderen und sagen es nur nicht. Jedenfalls soll ich hier sicher sein und erholen soll ich mich auch. Mich wundert nur, dass sie nicht den Hindenburg-Damm hochklappen. Wie können sie sich sicher sein, dass die, die hinter mir her sind, nicht auch längst auf der Insel sind? Mein einer Bodyguard heißt Terry. Nachdem ich weiß, wie sein ehemaliger Partner Ralf tickt, bin ich froh, dass Terry einen neuen hat. Dirk. Dirk ist mein anderer Bodyguard und einer von hier. Mit ihm kann ich auch über Ägir sprechen. Gerade war Morgendämmerung. Eigentlich darf ich nicht schreiben. Ich muss aufpassen, dass sie mein Heft nicht finden.

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