Donnerstag, 23. Dezember 2010

Truppentransporte


Karl-Theodor hat unzählige Einstiche an Armen und Füßen. Der totale Junkie. Die Belgier wollen, dass wir aus ihrer Pommes-Bude verschwinden. Karl-Theodor schleift einen Koffer mit Spritzbestecken der Bundeswehr hinter sich her. Die ganze Stadt scheint heute auf Morphium zu sein. Am Flughafen laufen die Fluggäste trotzdem Amok, heißt es. Die, die fliehen können, stürmen den Bahnhof, und vor unserem Hotel stehen schwarze Limousinen, die da nicht hin gehören. Karl-Theodor braucht eine Pause. Ich lade die Kennzeichen hoch und meine Befürchtung bestätigt sich. Der MAD erwartet uns. Ich mache keine gute Figur mit einem mit Heroin vollgepumpten Verteidigungsminister unter meinem Arm. Zum Ausweichen ist es zu spät. Ich wünschte, ich hätte mich doch für meine neue Basis im Skype entschieden. Da hätten sie mich nicht so leicht erwischt. Die Abschirmdienstler steuern auf uns zu. Karl-Theodor weiß selbst nicht, wie uns geschieht. Ich höre nur noch „Sabotage“ und „Zersetzung“, dann wird es schwarz vor meinen Augen. Einer der Geheim-Mutanten Karl-Theodors hat mir einen Sack über den Kopf gestülpt. Ich rieche Stephanies Parfüm an ihm. Hat sie Verfügungsgewalt über den MAD? Dann bin ich erledigt. Keine Ahnung, was mit Karl-Theodor geschieht. Ich werde in die Zentrale nach Köln abgeschoben. Jemand krempelt meinen Ärmel hoch, bindet mir den Arm ab. Zwei andere halten mich. Ich habe keine Chance, spüre den Einstich und dämmere weg. Denke noch, dass es Tage dauern wird, bis ich mein Bewusstsein wieder steuern werde. Das gehört zu ihrem Plan. Ich bin ihre Weihnachtsunterhaltung. Waterboarding statt Skifahren. Ich hatte ernshaft an ein gemeinsames Fest mit Karl-Theodor geglaubt. Und jetzt kann ich nicht mal sagen, wann es mir wieder möglich sein wird, mich hier zu melden. Ob ich da überhaupt wieder heil raus kommen werde.
Während der Sickerübung im Tierpark hatte Nelly vier Schwule, die trotz Kälte in der Nähe der Klappen cruisten, unschädlich gemacht. Thomas war zufrieden. Nelly war erschöpft. Sie hoffte insgeheim auf eine Belohnung. Dass Thomas über die Feiertage mit ihr ihre Wohnung beziehen würde. Stattdessen sagte Thomas: „Abmarsch.“ Ihre Reise begann. Das Ziel war Stuttgart, der Dreikönigsball, und am Dreikönigstag wollte Thomas Nelly den Kopf von Guido Garcia Westerwelle bringen. Oder sie ihm. Aber jetzt sollte sie, ohne aufzufallen, im Tarnanzug zu Fuß nach Baden-Württtemberg marschieren, mit einem 20 Kilo schweren Rucksack auf dem Rücken. Diese Weihnacht würde Nelly wohl nie vergessen. Von allem abgetrennt, musste sie Thomas vertrauen, der sie opfern würde, sollte sie die Mission auch nur einen Augenblick gefährden. Sie musste stark sein. Sie würde nicht versagen. Im Notfall wusste sie sogar, wie man Stacheldraht zu einer Antenne fürs Funkgerät umfunktionierte. Doch vorerst hatte Thomas das Funkgerät, und es war klar, dass er zu niemandem den Kontakt suchen würde, auch nicht an den Feiertagen. „Es wird so sein, als gebe es mich gar nicht.“, sagte Nelly. „Das wolltest du doch, oder nicht?“ Thomas lächelte. Nelly wusste nicht, ob er sie mit diesem Lächeln verspottete, oder ob er sie damit ermutigen wollte. Schon war er in der Dunkelheit verschwunden. Nelly folgte ihm. Sie hatte nichts mehr zu verlieren.
Walter Amok war auf dem Weg zu seinen Eltern. Drei Tage würde er dort von der Außenwelt abgeschnitten sein. Es war, als würde Staffels Welt aufhören, sich zu drehen. Man konnte nur hoffen, dass es irgendwann wieder weiterging. Walter hoffte, dass es für ihn dann nicht zu spät war. Der Nächste, der ‚Frohes Fest’ zu ihm sagen würde, hätte keine Chance, es zu überleben. Wenigstens so viel war klar. Werner Amok grinste. Frohes Fest!

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